Wolfgang Welt: Schreiben aus einer zerrissenen Stadt

Der gefeierte Bochumer Schriftsteller Wolfgang Welt schrieb intensiv über Arbeit, Fußball und Leben im Ruhrgebiet – eine »grundandere Art von Geschichtsschreibung«, wie Literaturnobelpreisträger Peter Handke über Welts Werk sagt. Wolfgang Welt, 1952 geboren und 2016 gestorben, hat den Riss, den Strukturwandel, der durch Bochum ging, erfahren und erlebt. Dieser Riss zwischen den Zeiten und Welten ging auch durch seine Seele und seinen Körper. Das Alte und das Neue, alte Arbeit und neue Hoffnungen, Aufbruch und Stillstand rissen an ihm und zerrissen ihn schließlich. Sehnsucht und Unruhe trieben ihn, doch die Wilhelmshöhe hielt ihn.

Einen Strukturwandel später sprechen Bochumerinnen und Bochumer diese Texte ein. Ihre Gesichter und Stimmen führen in einer digitalen Produktion von Gotthard Lange durch Welts Textlandschaften. Präsentiert wird der Film am 19. November um 20:15 Uhr auf dem YouTube Kanal “worthoch3”. Darin folgt man ihm durch die Straßen von Bochum, über die Wilhelmshöhe, von Langendreer in die City, vom Plattenladen ins „Appel“, das später „Zwischenfall“ hieß und ein legendärer Musikclub wurde. Wir gehen mit ihm in die “Zeche“ und treffen den jungen Grönemeyer, gehen mit bis zum Sportplatz zurück auf die Wilhelmshöhe, dorthin, wo alle Wege enden und beginnen, und wo er hingehörte, bis zum Schluss.

Wolfgang Welt war zukunftsweisend, als Gonzo-Journalist in der Musik- und Theaterkritik und mit seiner Mischung aus Free Writing und Oral History als möglicher »Urvater« der deutschen Popliteraten. Das Projekt trägt ihn und seine Texte aus der künstlerischen und gesellschaftlichen Vergangenheit Bochums ein Jahr vor ihrem 700-jährigen Jubiläum in eine neue mediale Zukunft: digital, social und partizipativ. Denn dort gehörten die intimen, subjektivistischen, radikalen und durchaus auch problematischen Impressionen aus seinem und unserem Leben schon immer hin.

Regie: Gotthard Lange
Produktion: WORTWORTWORT
Textfassung: Sabine Reich

 

Warum hat Wolfgang Welt nicht den Peter-Weiss-Preis erhalten?
Frank Goosen und Martin Willems im Gespräch mit Sabine Reich 

Ein Gespräch über den Autor, die Achtzigerjahre, über Solidarität, Radikalität und welche Welten wir in Wolfgang Welts Texten entdecken können. Auch wenn wir die Musiker, über die er spricht, nicht mehr kennen. 

Regie: Sebastian Karras
Produktion: WORTWORTWORT

Donnerstag, 19.11.2020

Sie haben eine Veranstaltung des WORTWORTWORT Festivals 2020 verfolgt?  Dann würden wir uns sehr freuen, wenn Sie sich ca. 2 Minuten Zeit nehmen würden, um uns Feedback zu geben. So können wir das Festival immer weiter optimieren! Dankeschön!

Digitales Festival lädt ein: Ein Chor aus Bochumern soll Wolfgang Welt sprechen

In Erinnerung an den Ruhrgebiets-Kultautor Wolfgang Welt aus Langendreer wird diesen Oktober ein Sprechchor aus Bochumerinnen und Bochumern unter Leitung von Schauspieler und Regisseur Gotthard Lange Auszüge aus dem Werk des Schriftstellers einsprechen. Daraus soll eine digitale Produktion über den Autor und seine Stadt entstehen, die im November beim neuen Bochumer WORTWORTWORT-Festival zu sehen sein wird. Interessierte sind zur Mitwirkung herzlich eingeladen. Eingesprochen wird einzeln, also coronasicher. 

Gotthard Lange (u. a. Drei, Barfuß bis zum Hals, Das Wunder von Bern) war einst selbst Schauspieler unter Theaterregisseur Einar Schleef, dem großen deutschen Sprechchor-Virtuosen. »Wolfgang Welt war eine Stimme für Bochum. Jetzt wird Bochum eine Stimme für ihn«, verspricht Gotthard Lange.

Interessierte jeden Alters und Geschlechts können sich unter wortwortwort.digital/wolfgang-welt informieren und sich online anmelden. Bei weiteren Fragen bitte eine E-Mail an js@wortwortwort.digital oder an die 0234/520072-23 wenden.

Das WORTWORTWORT-Festival findet statt vom 08.11. – 20.11.2020 und ist das erste digitale Festival, das sich der Zukunft der Wortkunst widmet.

Werde Teil des Chors!

2 + 2 = ?